Grußwort des Schirmherren
Prof. Dr. med. Axel Ekkernkamp


Sehr geehrter Herr Doktor Hase, liebe Frau Brink,
meine sehr verehrter Damen und Herren,

es ist mir eine große Freude, Sie mit einigen Worten in Dresden begrüßen zu dürfen; die mir übertragene Schirmherrschaft dieser Tagung ist für mich eine große Ehre und ich hoffe sehr, dass die Tagung genau nach Ihren Wünschen verlaufen möge.
Bezogen auf meine Person haben wir uns so verständigt, dass ich in diesem Jahr formaliter, im nächsten dann als einfacher Zuhörer und – wenn Sie mögen – Diskutant dabei sein darf.

Meine sehr verehrten Damen und Herren, Sie haben die Tagung unter die Überschrift gestellt "Die richtige Zeit für EMDR: Akutintervention – Kindheitstrauma – transgenerationale Traumatisierung".

Gelernt habe ich, dass EMDR in ganz verschiedenen Zeitfenstern anwendbar ist, die Diskussionen des heutigen und des morgigen Tages werden dazu führen, die bestmöglichen Zeitpunkte herauszuarbeiten.

Die Rolle der Psychotraumatologie wächst, sie wird inzwischen auch von anderen Berufsgruppen innerhalb und außerhalb der Medizin mehr als früher wahrgenommen, über die Medien und über Gespräche im Familien- und Freundeskreis ist dies auch den Bürgern und damit auch den Noch-Nicht-Patienten bewusst.

Innerhalb der Psychotraumatologie wiederum war die Anerkennung von EMDR als zentraler Behandlungsmethode lange Zeit nicht konsentiert, die Unterstützung durch den Gemeinsamen Bundesausschuss bedeutet einen gesellschaftspolitisch wichtigen und aktuellen Schritt, sie zeigt den hohen wissenschaftlichen Stand Ihrer Behandlungsmethode und sie wird die Therapielandschaft verändern und vor allem die Versorgung psychisch-traumatisierter Patienten verbessern.


In den Berufsgenossenschaftlichen Kliniken und Ambulatorien ist die Psychotraumatologie mit EMDR-Therapeuten bereits Standard.

Besonders wir Unfallchirurgen schätzen die Methode als schonendes Therapieverfahren, die Nutzung optimierter Bedingungen für die Traumabearbeitung ersetzt qualvolles Durcharbeiten, die beschleunigte Verarbeitung führt zu rascheren Erfolgen: Im wissenschaftlichen Vergleich kommt eine EMDR-Therapie mit deutlich weniger Sitzungen aus als der traditionelle Weg.

Grußworte eines Unfallchirurgen auf einer EMDR-Tagung mögen zunächst Fragezeichen hervorrufen; was hat der denn mit uns zu tun, schlimmer noch könnte gefragt werden, was Traumatologen, die ihren Schwerpunkteinsatz im Operationssaal sehen, überhaupt von Psychotraumatologie verstehen können.

Ich selbst bin in der glücklichen Lage, vielfältig mit Ihnen und Ihren Kolleginnen und Kollegen, aber auch mit Ihren Resultaten in Berührung zu kommen:

Dies als Leiter einer Universitätsabteilung für Unfallchirurgie in Greifswald, wo mir besonders der Blick auf die Akuttraumatisierung mit Ihrer Hilfe um psychische Aspekte erweitert wird.

Als Leiter einer Berufsgenossenschaftlichen Klinik geht es mir ganz besonders darum, Folgen von Arbeits- und Wegeunfällen möglichst zeitnah effektiv zu behandeln – dabei denke ich keineswegs nur an das Zusammenfügen gebrochener Knochen oder zerrissener Sehnen.

Die Inhalte Ihrer Tagung in Dresden haben mich ganz besonders als Wissenschaftler "gereizt", auch 123 Jahre nach Eröffnung der Berufsgenossenschaftlichen Klinik in Bochum, dem Bergmannsheil, also der ältesten Unfallklinik der Welt, gibt es eine Vielzahl offener Fragen zu beantworten, so beispielsweise die nach individuell unterschiedlichen Heilungsverläufen, nicht selten sichtbar an Heilungsstörungen und anderen Komplikationen.

So froh ich darüber bin, dass die amtierende Bundesregierung die Förderung der personalisierten oder individualisierten Medizin in Regierungsprogramm und Koalitionsvertrag aufgenommen hat, so bedauerlich empfinde ich es, dass bei dieser Thematik zunächst an genetische Faktoren und die Wirksamkeit von Arzneimitteln gedacht wird. Psychotraumatologie und EMDR verdienen einen festen, beachteten und förderungswürdigen Platz im Themenfeld "individualized medicine".

Akzeptieren Sie noch zwei letzte Berührungspunkte: Als Reserveoffizier und Vertragspartner der Deutschen Bundeswehr liegt mein besonderes Interesse in der Wiedereingliederung von Soldatinnen und Soldaten nach Auslandeinsätzen. Ich sehe es als gesellschaftlichen Auftrag, den Soldaten durch die Anforderungen eines geänderten Mandats fachlich auf bestem Stand therapeutische Unterstützung anbieten zu können.
Allgemein bedürfen die exponentiell ansteigenden psychischen Erkrankungen größerer gesundheitspolitischer Berücksichtigung sowie einer größeren Präsenz in den Fachmedien. Voraussetzungen sind der enge Austausch der Fachrichtungen und die gemeinsame Nutzung von Publikationsorganen. Psychotraumatologie und Unfallchirurgie können dabei eine wichtige Klammer darstellen. Persönlich will ich gern in Politik und Fachmedien meinen Beitrag leisten.

Bleibt mir nur, Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit und Geduld zu danken, mich auf das persönliche Kennenlernen des einen oder anderen unter Ihnen im nächsten Jahr zu freuen und Ihnen einen perfekten Verlauf der Tagung im wunderschönen Dresden zu wünschen.


Axel Ekkernkamp
(Download Grußwort)

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Prof. Dr. med. Axel Ekkernkamp

Geboren am 17.08.1957 in Bielefeld
Verheiratet mit Ellen Ekkernkamp, geb. Nitschke

Ratsgymnasium Bielefeld, 1976 Abitur
Studium der Human- und Zahnmedizin in Münster/Westfalen,
der Humanmedizin in Bern/Schweiz

1983 Staatsexamen, Approbation, Promotion
1983
Gastarzt an der Orthopädischen Universitätsklinik Wien
1984
Bundeswehrkrankenhaus Osnabrück (Flottenarzt Dr. J. Garbs)
1984
Stabsarzt München
1984-1997 Wissenschaftlicher Assistent und Oberarzt Chirurgische Klinik und Poliklinik Berufsgenossenschaftliche Kliniken Bergmannsheil Bochum - Universitätsklinik (Prof. Dr. G. Muhr, Dr. R. Op den Winkel)
1988-1989 Assistent St. Josef-Hospital Bochum - Universitätsklinik (Prof. Dr. V. Zumtobel)
1989 Facharzt für Chirurgie

Weitere führbare Bezeichnungen:

  • Facharzt für Orthopädie und Unfallchirurgie
  • Facharzt für Allgemeine Chirurgie

Zusatzbezeichnung:

  • Handchirurgie
  • Sportmedizin
  • Physikalische Therapie und Balneologie
  • Notfallmedizin
  • Intensivmedizin?spezielle Unfallchirurgie

1992 Gastoberarzt an der Klinik für Orthopädische Chirurgie der Universität Bern (Prof. Dr. med. R. Ganz)
1992 Habilitation an der Medizinischen Fakultät der Ruhr Universität Bochum, Venia legendi für das Fach Chirurgie
1993 Teilnahme an der ersten Auslandsmission der Deutschen Bundeswehr UNTAC in Kambodscha
1994 kommissarischer Ärztlicher Direktor der Berufsgenossenschaftlichen Kliniken Bergmannstrost Halle/Saale
1994 Gast-Aufenthalt Harborview Medical Center Seattle/USA
1994 Wahl zum Direktor der Klinik für Unfallchirurgie des Unfallkrankenhauses Berlin (Grundsteinlegung 1994, Inbetriebnahme 1997)
1996 Bestellung zum Ärztlichen Direktor des Unfallkrankenhauses Berlin
1997 außerplanmäßige Professur an der Ruhr Universität Bochum
1997 Direktor der Klinik für Unfallchirurgie des Unfallkrankenhauses Berlin
1999 ordentliche Professur und Lehrstuhl für Unfallchirurgie an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
1999 Leiter der Abteilung für Unfall- und Wiederherstellungschirurgie und der Abteilung für Physikalische Medizin, Rehabilitation und Sporttherapie, Klinikum der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald
1999 Geschäftsführer des Unfallkrankenhauses Berlin
2005 Gleichstellungsbeauftragter der Medizinischen Fakultät der Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald (bis 2007)
2009 Professur an der Medizinischen Universität Thai Binh / Vietnam
2011 Venue Medical Officer der Fifa-Frauen Fußball WM für Berlin

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