Eröffnung

Dr. phil. Karsten Böhm, Dr. med. Katharina Drexler

Fr, 09:00 – 09:15

Dr. phil. Karsten Böhm
Dr. phil. Karsten Böhm ist psychologischer Psychotherapeut und arbeitet in eigener Praxis in Freiburg, die einen Schwerpunkt auf Trauma- und Zwangsbehandlungen hat. Er ist erster Vorsitzender von EMDRIA Deutschland e.V. und EMDR Senior Trainer.
Seit 2004 beschäftigt er sich, neben Studien zu PTSD, intensiv mit der Psychotherapieforschung von Zwangsstörungen. An der Freiburger Universitätsklinik führte er innerhalb von Forschungsgruppen bis 2011 u.a. klinische Studien zum Einsatz von EMDR, Dissoziationsneigungen und Versorgungsforschung bei Zwängen durch. Danach gründete er die Privatklinik Friedenweiler, die er bis 2021 leitete.
Dr. Böhm war Mitglied der Leitlinienkommission der DGPPN zu Zwangsstörungen, die die erste deutsche S3 Leitlinie zur Behandlung von Zwängen ausarbeitete. Aktuell ist er zudem Mitglied der Leitlinienkommission für die neue S3 Leitlinie zur Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung und komplexen PTBS nach ICD-11.
Er leitet Aus- und Weiterbildungen an verschiedenen Psychotherapieinstituten, bei Notfallseelsorge der Feuerwehr und auf Kongressen (DGPPN).

Dr. med. Katharina Drexler

  • Fachärztin für Psychiatrie und Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
  • Ausbildungen in tiefenpsychologischer sowie psychoanalytisch-systemischer Psychotherapie und EMDR
  • Supervisorin für Traumatherapie (EMDRIA/ DeGPT)
  • Seit 2018 stellvertretende Vorsitzende von EMDRIA Deutschland e.V.
  • Nach oberärztlicher Tätigkeit seit 2000 in eigener Praxis niedergelassen.

Integrating Cultural Competence, Cultural Identity and Societal Context within EMDR Therapy

Mark Nickerson

Hauptvortrag 1, 09:15 – 10:30 Uhr

Abstract:
There is an increasing awareness of the critical need to understand the impact of cultural identity and societal context within the field of trauma intervention. As EMDR therapists, our challenge is to develop and enhance skills for optimal culturally informed treatment effectiveness. This presentation offers conceptual considerations and clinical recommendations including key components of cultural competence; the human need for social connection and belonging; social information processing within the AIP model; cultural identity parts of self; and improved assessment and treatment for culturally based trauma and adversity (CBTA).

Vita:
Mark Nickerson, LICSW is an EMDR Institute Trainer and an EMDRIA Approved Consultant, with a clinical practice in Massachusetts, USA.
He is the Director of EMDR Advanced Training and Distance Learning, EMDRadvancedtrainings.com.
He conducts basic and advanced EMDR trainings nationally and internationally on topics including culturally informed EMDR therapy and healing culturally based trauma and adversity (CBTA) and EMDR Treatment for Problematic Behavior.
He is editor/author of Cultural Competence and Healing Culturally Based Trauma with EMDR Therapy: Insights, Strategies and Protocols (2nd edition, Springer, 2023, 2017, details at culturalcompetenceEMDR.com) and The Wounds Within (Skyhorse, 2015).
Website: https://markinickerson.com/

DeprEnd® - das Ende der Depression?

Dr. Maria Lehnung

Hauptvortrag 2, 11:00 – 12:00 Uhr

Abstract:
Depressionen stellen eine der häufigsten psychischen Störungen dar und gelten als schwer behandelbar. Neueste wissenschaftliche Studien belegen eine hohe Wirksamkeit der EMDR-Therapie bei diesem Störungsbild. In diesem Workshop zeigen wir Ihnen das diagnostische und therapeutische Vorgehen, das wir in unserer internationalen Forschungsgruppe anwenden. Sie lernen, Depression aus der Perspektive des AIP-Modells zu verstehen. Mit dem DeprEnd® erhalten Sie einen klinisch praktischen Ansatz in 6 Schritten, der nachweislich zu mehr kompletten Remissionen und einer niedrigeren Rückfallrate führt als herkömmliche Therapieansätze.

Vita:
Dr. Maria Lehnung ist gemeinsam mit anderen Autorin des ersten Buches über EMDR in der Behandlung von Depressionen (2020).
Sie ist Psychologische Psychotherapeutin, forschte an der Universität zu Kiel, ist niedergelassen in eigener Praxis, ist EMDR-Europa-Trainerin und leitet heute das EMDR-Institut® Deutschland.
Seit Jahren engagiert sie sich für die wissenschaftliche Erforschung der EMDR-Therapie.
Sie war an der Entwicklung des Konzeptes von EMDR zur Behandlung bei Depressionen maßgeblich beteiligt.

Die Wirkung von TPSS+®-Interventionen im Nordirak (KRI) und in der Ukraine

Frank Hofmann

Hauptvortrag 3, 12:00 – 12:45 Uhr

Abstract:
In internationalen Debatten über geeignete psychosoziale Interventionen in humanitären Krisenkontexten wird zunehmend die Notwendigkeit mild-konfrontativer, stabilisierender und ressourcenmobilisierender Herangehensweisen diskutiert und anerkannt.
Die Ausbildung von SozialarbeiterInnen, Krankenschwestern, LehrerInnen etc. hat auch positive praktische und wirtschaftliche Auswirkungen in Kontexten von Notfall- und Entwicklungsprogrammen.
TraumaAid Germany hat in den letzten Jahren auf der Grundlage von Erfahrungen in Südostasien, dem Nahen Osten und aktuell in der Ukraine ein innovatives Trainingscurriculum (TPSS+®) entwickelt und bereits in mehreren Krisenkontexten in Trainingsprojekten vermittelt.
Während eines kürzlich durchgeführten 2 ½-jährigen Projekts in KRI/Irak haben mehr als 30 SozialarbeiterInnen mehr als 600 Klienten in individuellen Therapien und mehr als 1200 Klienten in Gruppentherapien behandelt. In der Ukraine werden zum Ende 2024 etwa 90 Fachleute ausgebildet sein, ebenso SupervisorInnen und zwei TrainerInnen.
In den derzeitigen Diskussionen im INGO-Sektor wurde aber die bisher weitgehend fehlende Evidenz für die Wirksamkeit von Behandlungen, die auf dieser Art von psychosozialem Ansatz beruhen, als großes Defizit festgestellt.
TraumaAid Germany hat daher im Projekt KRI/Irak zum ersten Mal eine Kombination aus quantitativen und qualitativen Messinstrumenten bei mehr als 300 Klienten angewandt.  Die Vorgehensweise und Ergebnisse werden ausführlich dargestellt und darüber hinaus durch eine Reihe von Einzelfallstudien weiter belegt.
Sie zeigen, wie der Zusammenhang zwischen traumatischer Belastung, der posttraumatischen Situation und den Veränderungen, die der Behandlungsprozess bei Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen bewirkt, durch die Kombination von quantitativen und qualitativen Bewertungsmaßnahmen besser als bislang erfasst werden kann und für die weitere Entwicklung von Forschungsinstrumenten in diesem Bereich wegweisend sein könnte.

Vita:

  • 1972 – 1977 Studium der Psychologie an der Technischen Universität Braunschweig, Diplom.
  • Es folgen Anstellungen in Erziehungsberatungsstellen, auch als Leiter, in Braunschweig.
  • 1987 Zulassung durch die Kassenärztliche Vereinigung BS im Wege einer Ermächtigung für Verhaltenstherapie.
  • 1993-1996 Lehraufträge an der Fachhochschule Braunschweig-Wolfenbüttel, jetzt Ostfalia.
  • Seit 2003 Genehmigung als Supervisor DGVT (Kinder und Jugendliche / später Erwachsene).
  • 2012 Übergang in die Altersteilzeit: seitdem Arbeit ausschließlich in freier Praxis, als Psychotherapeut, Supervisor und Seminarleiter.
  • 2015 Ruhestand: Beginn meist ehrenamtlicher Auslandstätigkeit für TraumaAid Humanitarian Assistance Program e.V. – z.B. in Phnom Penh / Kambodscha an der Royal University (RUPP); Teilnahme und Mitgestaltung von EMDR-Seminaren im Rahmen der Mekong II und Mekong III Projekte von TraumaAid Germany (BMZ gefördert) in Thailand, Myanmar und Kambodscha sowie für Vietnam. Durchführung von Trauma-Seminaren in der Ukraine.
  • Seit 2017 EMDR-Supervisor für Kinder- und Erwachsenentherapeuten.
  • 2017 Entwicklung einer eigenständigen Seminarserie TPSS+® (Trauma Psycho Social Support Plus) für geflüchtete Kinder, Jugendliche und Familien im Nordirak / Kurdistan; jetzt unter Einbeziehung der Fachkräfte aus Kirkuk und Mossul. Zunächst von Adidas, dann terre des hommes und zuletzt vom BMZ gefördert. Weitere Seminarserien von den Schmitz-Stiftungen, der Staatskanzlei Niedersachsen und der Else Kröner-Fresenius-Stiftung ab 2022 für die Ukraine gefördert.
  • Abgeschlossene Zusatzausbildungen in Verhaltenstherapie (DGVT), in Familientherapie (Weinheim), in Hypnotherapie (MEG), in EMDR für Erwachsene und Kinder (EMDRIA), fortlaufend rezertifiziert, Supervisor und Trainer in Training EMDR Europa.

Veröffentlichungen:
Ötting, D., Göres, H.-G., Hofmann. F. (1996): Das Projekt Kooperation von Erziehungsberatungsstellen und Kindertagesstätten. In: Menne, K., Cremer, H. und Hundsalz, A. (Hrsg.): Jahrbuch für Erziehungsberatung Bd. 2; S. 99 – 115. Juventa Verlag Weinheim München 1996.

Hofmann, F. (2008): Kurzzeittherapie: Die Arbeit mit Kontrakten und deren optische Aufbereitung – Ein Beitrag zur Verfestigung von Erfolgen und zur Erhöhung der Compliance. In Verhaltenstherapie mit Kindern und Jugendlichen, 4. Jahrgang, Ausgabe 2/2008 (S. 111-121), Tübingen: DGVT-Verlag.

Hofmann, F. et al. (2021): Trauma Psycho Social Support Plus® and EMDR therapy for children and adolescents in a post-conflict setting: Mental health training in Kurdistan. Torture: Journal on Rehabilitation of Torture Victims and Prevention of Torture, Vol. 31, No. 1 (2021).

 

SIG 1 – Klima

Dr. Margit Lohs

Special Interest Group, 12:45 – 14:15 Uhr

Offenes Treffen ohne Anmeldung, nur in Präsenz. Weitere Informationen folgen.

Vita:

  • Niedergelassen in eigener Praxis für Psychotherapie in Berlin, Diplom-Psychologin und Psychologische Psychotherapeutin
  • Verhaltens-, Gesprächs-, EMDR- und Paartherapeutin
  • Psychotherapie mit Erwachsenen seit 1980- Schwerpunkte: Arbeit mit depressiven, traumatisierten und schwer körperlich erkrankten sowie unter Schmerzen leidenden Menschen
  • Spezielles Interesse: Verbindung verschiedener Behandlungsmodelle mit Schwerpunkt auf Ressourcenintegration
  • Supervision und Beratung für Psychotherapeuten
  • Business-Coach für Führungskräfte
  • Potential- und Begabungsanalysen für Menschen bei beruflichen Entscheidungsfragen
  • Kassenwartin von EMDRIA-Deutschland

EMDR und transgenerationale Traumatisierung

Dr. Katharina Drexler

Workshop 1, 14:15 – 15:15 Uhr

Abstract:
Jenseits der persönlichen Traumalandkarte spielen nicht selten traumatische Erlebnisse der Eltern oder Großeltern eine wesentliche Rolle für unsere Vulnerabilität. Aktuelle Forschungen zu Stressverarbeitung und Epigenetik belegen die Bedeutung transgenerationaler Traumatisierung inzwischen zweifelsfrei.
Katharina Drexler beschäftigt sich seit über zwanzig Jahren mit der Frage, wie seelische Wunden ererbt werden und - vor allem - wie diese Wunden heilbar sind, und hat zwei Bücher zum Thema veröffentlicht.
Im Workshop stellt sie den von ihr entwickelten Ansatz der Behandlung mit EMDR vor.

Vita:

  • Fachärztin für Psychiatrie und Fachärztin für Psychosomatische Medizin und Psychotherapie
  • Ausbildungen in tiefenpsychologischer sowie psychoanalytisch-systemischer Psychotherapie und EMDR
  • Supervisorin für Traumatherapie (EMDRIA/ DeGPT)
  • Seit 2018 stellvertretende Vorsitzende von EMDRIA Deutschland e.V.
  • Nach oberärztlicher Tätigkeit seit 2000 in eigener Praxis niedergelassen.

Bücher:
2017 „Ererbte Wunden heilen. Therapie der transgenerationalen Traumatisierung", Klett-Cotta, fünfte Auflage
2020 "Ererbte Wunden erkennen. Wie Traumata unserer Eltern und Großeltern unser Leben prägen.", Klett-Cotta, dritte Auflage

EMDR spielend anwenden

Katja Paternoga

Workshop 2, 14:15 – 15:15 Uhr

Abstract:
Im Workshop werden kreative und einfache Möglichkeiten gezeigt, wie wir mit Kindern EMDR im Spiel anwenden können.
Gerade jüngere Kinder sind oft nicht in der Lage, sich auf eine konzentrierte Arbeit einzulassen. Ihnen können wir die EMDR-Sequenzen in kreativer und spontan angepasster Form spielerisch anbieten. Auch Kinder, die eher zur Vermeidung neigen, lassen sich oft auf die Behandlung ein, wenn wir individuell und kreativ auf sie eingehen.
Wie können wir mit dissoziativen Kindern kreativ arbeiten?
Verschiedene Ideen und Möglichkeiten werden vorgestellt und mit Videobeispielen veranschaulicht.

Vita:

  • EMDR Trainerin KJ (EMDR Europe akkreditiert)
  • Kinder- und Jugendlichenpsychotherapeutin (VT)
  • Spezielle Psychotraumatherapie DeGPT
  • Leiterin AG Dissoziation bei KJ der DGTD
  • Mitglied mehrerer AGs, Nationaler Rat gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen
  • Verfahrensbeistand seit 1998/gesetzliche Betreuerin
  • Verdienstmedaille des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland 2010
  • Niedergelassen in Rathenow
  • Schwerpunkt: komplex traumatisierte und dissoziativ strukturierte Kinder und Jugendliche/Kinderschutz

SIG 2 – EMDR-Netzwerk Schmerz

Stephanie Vock

Special Interest Group, 14:15 – 15:15 Uhr

Offenes Treffen ohne Anmeldung, nur in Präsenz.

Abstract:
Das „EMDR-Netzwerk Schmerztherapie“ führt eine prospektive Begleiterhebung von Patient*innen durch, die im ambulanten Setting mittels EMDR bei Schmerzstörungen behandelt werden. Es ermöglicht interessierten Therapeut*innen die Teilnahme und den Austausch ihrer Expertise und Erfahrung. Ziel ist es, durch die Verbindung von klinischer Praxis und Forschung Erkenntnisse zu gewinnen, die Aufschluss darüber geben, welche Patient*innen von der EMDR-Therapie profitieren. Diese Erkenntnisse sollen zukünftige multizentrische Studien unterstützen und die Integration der EMDR-Therapie in klinische Leitlinien zur Behandlung von Schmerzstörungen fördern. Wir verfolgen das Ziel, die Behandlungsmöglichkeiten für chronische Schmerzpatient*innen zu verbessern und die Förderung der Forschung auf diesem Gebiet.

Vita:

  • Seit 08.2022 Doktorandin „Nebenwirkungen der EMDR Therapie und Prädiktoren der Therapieergebnisse“ - Uniklinik Heidelberg, Abteilung für Innere Medizin und Psychosomatik
  • 01.2023–05.2024 Leitende Studienkoordinatorin und Psychologin PAIN2.0 – Uniklinik Heidelberg, Abteilung für Innere Medizin und Psychosomatik
  • 07.2021–09.2023 Studienkoordinatorin PerPAIN – Uniklinik Heidelberg, Abteilung für Innere Medizin und Psychosomatik
  • 2019–2020 Psychologin und leitende Psychologin – Kraichgau Klinik Bad Rappenau
  • 2018 Master of Science Psychologie (Otto-Friedrich-Universität Bamberg)
  • 2016 Bachelor of Science Psychologie (Otto-Friedrich-Universität Bamberg)

 

Core of EMDR

Peter Liebermann

Workshop 3, 15:45 – 16:45 Uhr

Abstract:
Ausgelöst durch ein Projekt von EMDRIA zur Weiterentwicklung von EMDR sind eine Reihe von Artikeln entstanden u.a. Laliotis et al 2021 What Is EMDR Therapy? Past, Present, and Future Directions. Das Standards Committee von EMDR Europa hat dies zum Anlass genommen sich mit diesen Überlegungen auseinanderzusetzen und eine eigenständige Position zu entwickeln. Die bisherigen Überlegungen, die auf den Trainertreffen von EMDR Europe in 2023 und 2024 diskutiert wurden, sollen vorgestellt werden.

Vita:

  • Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, EMDR-Senior-Trainer (EMDR Europe) in eigener Praxis in Leverkusen tätig.
  • Teil des Ausbildungsverbundes EMDR Trainer Cooperation, Vorsitzender Standards Committee EMDR Europe, Gründungsmitglied und -vorstand von EMDRIA Deutschland, Vorsitzender 2005-2012.
  • Vorstand  EMDR Europe 2011-2019,  Mitgründer der DeGPT und mehrjährige Vorstandsstätigkeit.
  • Stellvertretender Leiter der Arbeitsgruppe ‚Akuttraumatisierung’ der DeGPT, Dozent an verschiedenen psychotherapeutischen Ausbildungsinstitutionen.

EMDR und psychiatrische Medikation in der Kinder- und Jugendpsychiatrie – Bruchstücke einer Behandlung?

Dr. med. Kerstin Stellermann-Strehlow

Workshop 4, 15:45 – 16:45 Uhr

Abstract:
Hintergrund:
Die KIGGS Studie zeigte, dass 7,2 % der Kinder- und Jugendlichen eine medikamentöse Behandlung des Nervensystems erhielten, dieses entspricht Platz 4 in der Liste der Arzneimittelversorgung (1) und es zeigt sich in der BRD sowie in anderen europäischen Ländern ein Anstieg in der Verschreibung von Antipsychotischer Medikation im Jugendalter (2). Gleichzeitig wurde in einer Reihe von Studien die Assoziation der Kumulation belastender Kindheitserfahrungen mit negativen Gesundsheitsoutcome untersucht und nachgewiesen (3) und trotz klarer S3-Leitlinien Empfehlung finden traumafokussierte Verfahren wenig Einfluss in der regulären stationären kinder- und jugendpsychiatrischen Versorgung, noch weniger in der Akutpsychiatrischen (4).

Methode:
Anhand von Fallbeispielen bezogen auf die Behandlung von stationären kinder- und jugendpsychiatrischen Patient*innen mit aversiven Kindheitserfahrungen sowie medikamentöser Behandlung mit Stimulanzien, Anti-Depressiva oder Neuroleptika sollen Indikationen sowie ggf. Kontraindikationen für eine Behandlung mit EMDR dargestellt.
Ergebnisse: Eine psychiatrische Medikation ist selten eine Kontraindikation für eine EMDR Behandlung. EMDR kann die Indikation sowie die notwenige Dosierung und Dauer einer Medikation mit Psychopharmaka positiv beeinflussen.

Literatur:

  • Knopf H: Arzneimittelanwendung bei Kindern und Jugendlichen. Bundesgesundheitsbl – Gesundheitsforsch – Gesundheitsschutz 2007; 50: 863–70.
  • Bachmann CJ, Lempp T, Glaeske G, Hoffmann F: Antipsychotic prescription in children and adolescents—an analysis of data from a German statutory health insurance company from 2005–2012. Dtsch Arztebl Int 2014; 111(3): 25–34.
  • Hughes K, Bellis MA, Hardcastle KA, et al.: The effect of multiple adverse childhood experiences on health: a systematic review and meta-analysis. Lancet Public Health 2017; 2: e356–66
  • www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/155-001l_S3_Posttraumatische_Belastungsstoerung_2020-02_1.pdf

Vita:

  • Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie.
  • Zertifiziert in der speziellen Psychotraumatherapie für Kinder und Jugendliche (DeGPT), in mental health in complex emergencies (LSHTM, London), Suchtmedizin KJ (DGKJP) und Kinderschutz (ECQAT). Psychotherapie Ausbildung am Tavistock Institut, Universität Cape Town und Hamburg.
  • EMDR-Ausbildung begann 2003 in Südafrika, seit 2017 EMDR KJ Trainerin (EMDR Europe). Mitentwicklerin des Online Kurses www.medicalpeacework.com.
  • 2015-2022 Mitglied des Vorstandes EMDRIA Deutschland e.V.
  • Seit 2017 Mitarbeiterin in der AWMF Arbeitsgruppe Leitlinie PTSD sowie seit 2008 in der AG Psychotraumatologie KJ der DeGPT. 10 Jahre internationale Berufserfahrung in Krisengebieten (Kosovo, Südafrika) sowie auch national mit Risikogruppen (Kinderschutz, Flucht, Armut).
  • 17 Jahre Tätigkeit als (lt.) Oberärztin an verschiedenen Kinder- und Jugendpsychiatrischen Kliniken in der BRD (u.a. UKE, PKL).
  • Seit 2007 Dozentin, Supervisorin und Trainerin an verschiedenen staatlich anerkannten kinder- und jugendpsychiatrischen sowie - psychotherapeutischen Ausbildungsinstituten.
  • Von 2017 – 2023 leitete sie das Kindertraumainstitut.
  • Aktuell Leitung des EU Forschungsprojektes Promise ELPIS (Charité) sowie www.kst-traumahilfe.de.

OTT (Ongoing trauma therapy)

Dr. phil. Karsten Böhm

Hauptvortrag 4, 09:00 – 10:00 Uhr

Abstract folgt.

Vita:
Dr. phil. Karsten Böhm ist psychologischer Psychotherapeut und arbeitet in eigener Praxis in Freiburg, die einen Schwerpunkt auf Trauma- und Zwangsbehandlungen hat. Er ist erster Vorsitzender von EMDRIA Deutschland e.V. und EMDR Senior Trainer.
Seit 2004 beschäftigt er sich, neben Studien zu PTSD, intensiv mit der Psychotherapieforschung von Zwangsstörungen. An der Freiburger Universitätsklinik führte er innerhalb von Forschungsgruppen bis 2011 u.a. klinische Studien zum Einsatz von EMDR, Dissoziationsneigungen und Versorgungsforschung bei Zwängen durch. Danach gründete er die Privatklinik Friedenweiler, die er bis 2021 leitete.
Dr. Böhm war Mitglied der Leitlinienkommission der DGPPN zu Zwangsstörungen, die die erste deutsche S3 Leitlinie zur Behandlung von Zwängen ausarbeitete. Aktuell ist er zudem Mitglied der Leitlinienkommission für die neue S3 Leitlinie zur Behandlung der Posttraumatischen Belastungsstörung und komplexen PTBS nach ICD-11.
Er leitet Aus- und Weiterbildungen an verschiedenen Psychotherapieinstituten, bei Notfallseelsorge der Feuerwehr und auf Kongressen (DGPPN).

Under the shadow of war: Support and therapeutic EMDR based interventions for children and parents for the acute phase and the ongoing traumatic reality of war

Esther Bar Sadeh

Hauptvortrag 5, 10:00–11:15

Abstract:
The presentation will focus on the clinical experiences and the adaptation of the AIP model to the current acute reality of ongoing trauma, inflicted by the October 7th war in Israel. In the reality if war where there is no clear prospect of its termination, resilience building and resourcing are the main factors that any intervention should be focusing on. This presentation will demonstrate how this goal is achieved in the current situation, by working on affect regulation processes combined with trauma processing, with children and their caregivers. Caregivers' involvement in the process is a major therapeutic engine which is implemented in the process.

Vita:
Esther Bar Sadeh is a senior educational psychologist and supervisor, specializing in treating children and adolescents effected by trauma, She served as  the  head of the Educational Psychologist Service in Nazareth Elit and  the founder of the "Child Sexual Abuse Unit", in that city.   She also works with the Israeli-American Joint Distribution Fund and in her private practice. As a trauma specialist she serves as a consultant for a number of municipalities in Israel, supervising individual therapists who treat trauma and acting as advisor to teams treating at risk children and adolescents.
She began her training in EMDR under Francine Shapiro, continued her training as a facilitator and as an EMDR Child and Adolescents trainer in the European organization with Bob Tinker and Sandra Wilson. Esther has been training EMDR child therapists in Israel and internationally. Esther is a member at EMDR- European Child Section and chairs the Israeli C&A committee of EMDR Israel association. She has written contributed the publications of several chapters on EMDR with children and family in war time, dyadic psychotherapy and complex trauma. Ester is serving as a Mental Health adviser for  Korro ,an A-I company which is developing AI therapeutic games for anxiety and Autism for children.

Listening to Francine - was wir heute noch von der Begründerin der EMDR Therapie lernen können und was dies für die Entwicklung bedeutet.

Dr. med. Michael Hase

Workshop 5, 11:45 – 13:00 Uhr

Abstract:
Die EMDR Therapie hat seit ihrer Erstbeschreibung als EMD (Eye Movement Desensitization) 1989 bis heute eine rasante Entwicklung erfahren. Francine Shapiro selbst hat in den drei Ausgaben ihres Lehrbuch und den Ausgaben ihres Ausbildungsmanuals wichtige Veränderungen eingeführt, die nicht immer ausreichend rezipiert wurden. Zudem haben sich in verschiedenen Ländern durch gesellschaftliche oder persönliche Haltungen Divergenzen in der Lehre und damit auch der Anwendung entwickelt. Hier lohnt es sich einmal mehr auf das Original von Francine Shapiro zu schauen. Es kann uns für die Praxis immer noch viel geben.
Auch wurden durch die Entwicklung der EMDR Therapie in Forschung und Anwendung Fragen aufgeworfen, die Francine nicht beantwortet hat, bzw. durch ihren viel zu frühen Tod nicht mehr beantworten konnte. Auf diese Fragen werden wir Antworten finden müssen.

Dr. Michael Hase hat als EMDR Senior Trainer in Europa sowohl nach dem Originalmanual von Francine Shapiro, wie auch nach dem im deutschen Sprachraum weit verbreiteten Manual unterrichtet. Als Vorsitzender des ‚Research Committee‘ von EMDR Europe hat er einen Einblick in die Entwicklung der EMDR Therapie in verschiedenen europäischen Ländern.

Vita:
Dr. Michael Hase, geb. 1959 in Einbeck, Studium der Humanmedizin in Kiel, nach der Ableistung seines Grundwehrdienstes als Arzt Weiterbildung in der Neurologie und Psychiatrie in der Neurologischen Klinik Hessisch-Oldendorf und dem Zentrum für Psychiatrie Herten.
Nach Erlangung des Facharztes für Psychiatrie und Psychotherapie 1993 arbeitete Hase fünfzehn Jahre als Oberarzt an der Psychiatrischen Klinik 1 am Niedersächsischen Landeskrankenhaus Lüneburg und baute dort den Behandlungsschwerpunkt Psychotraumatologie auf. Seit der Ausbildung in EMDR 1997 arbeitet er an der Integration psychotraumatologischer Ansätze und des EMDR in die klinische Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie der Regelversorgung und nun auch in die Rehabilitation. Er promovierte 2006 zum Thema der "Reprozessierung des Suchtgedächtnisses mit der EMDR-Methode".

Hase ist Mitgründer der Arbeitsgruppe "Akute Traumatisierung" der DeGPT. Er beriet die Regionalen Beratungsstellen der Polizei und das Gesundheitszentrum der Justiz in Niedersachsen. Hase arbeitet eng mit der Abteilung 6b des BWK Hamburg zusammen.
Seit 1999 regelmäßige Vorträge auf nationalen und internationalen Fachkonferenzen zum Thema Psychotraumatherapie und EMDR. Sein Forschungsschwerpunkt liegt in der Entwicklung von EMDR-Protokollen zur Behandlung der stoffgebundenen Abhängigkeit, chronisch depressiver Patienten, des Burnout, chronischer Schmerzen und der Entwicklung der EMDR-Methode im Allgemeinen.
Hase leitete von 2007–2009 die Abteilung für Psychosomatik und Psychotherapie am RehaCentrum Hamburg und von April bis 2009 zum Oktober 2016 die Abteilung für Psychosomatik und Psychotherapie der Diana Klinik in Bad Bevensen. Seit dem 1. Oktober 2016 ist er in privatärztlicher Praxis niedergelassen und baute das 'Lüneburger Zentrum für Stressmedizin' auf.

Viele Jahre war Hase im Vorstand von EMDRIA Deutschland e.V. aktiv, davon fünf Jahre als 1. Vorsitzender.
Gemeinsam mit Dr. Arne Hofmann wurde Hase 2015 von dem Board of Directors der EMDR International Association für die Forschung zur EMDR Behandlung der Depression und die Gründung des internationalen EDEN Forschungsprojekts (EMDR Depression European Network) mit dem Preis für herausragende Forschung (Outstanding Research Award) ausgezeichnet.
Michael Hase unterrichtet EMDR als Senior Trainer des EMDR Instituts Deutschland im deutschsprachigen Raum und in Dänemark.

Die Ressourcenfokussierte Traumaanamnese (RFTA) in der Behandlung komplextraumatisierter Patient:innen

Steffen Bambach

Workshop 6, 11:45 – 13:00 Uhr

Abstract:
Die RFTA ist ein spezifisch an die Bedürfnisse und Besonderheiten von Patienten mit kPTBS angepasstes strukturiertes Vorgehen zu Beginn einer Traumabehandlung, analog der Phasen 1 und 2 im EMDR-Protokoll.
Das im Workshop präsentierte, modifizierte Vorgehen bei der Anamneseerhebung berücksichtigt, dass kPTBS-Klienten oft allein schon durch den Versuch ihre Lebensgeschichte sorgfältig zu explorieren und mnestische Lücken in der Biographie zu füllen, getriggert werden und Angst und Vermeidungsverhalten zeigen. So ist es leider nicht selten, dass es schon in sehr frühen Phasen einer Behandlung zu Therapieabbrüchen kommt. Dies ist besonders der Fall, wenn Patient:innen zuvor schon unbefriedigende Therapieversuche erlebt hatten.

Die RFTA zeichnet sich durch folgende strukturelle Besonderheiten gegenüber dem Standardvorgehen aus, mit dem Ziel komplextraumatisierte Patient:innen von Anfang an in einem ressourcenvollen Zustand zu halten und zur Aufarbeitung von Komplextrauma zu motivieren und zu ermutigen:  

  • Psychoedukation zu Trauma und Notfallreaktionen noch vor einer detailierten Traumaanamnese.
  • Erarbeitung einer synoptischen Wahrnehmung der ressourcevollen sowie der belastenden Lebenserfahrungen von der Geburt bis in die Gegenwart und Zukunft.
  • Umgekehrte Reihenfolgen im Vorgehen: Exploration zuerst aller aktuellen und biographischen Ressourcen vor der Exploration von kritischen Lebensereignissen.
  • Konsequente Integration von Fragen der Lösungs- und Ressourcenfokussierten Kurztherapie von Steve De Shazer und Insoo Kim Berg (et. al.) in die Phasen 1 und 2 des EMDR.
  • Intensiver Fokus auf die Resilienz und zukünftige Heilungszeichen.

In dem Workshop wird zunächst die Struktur dieses Vorgehens praxisnah präsentiert. Im zweiten Teil werden spezielle Interventionen zur Ressourcenfokussierung und Bewusstmachung von Resilienzfaktoren dargestellt und es besteht die Möglichkeit zu einer Demo mit Rollenspiel.

Vita:
Steffen Bambach ist Arzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie und seit 2008 als ärztlicher Psychotherapeut für Kinder und Jugendliche in eigner Praxis niedergelassen. Behandlungsschwerpunkt sind komplextraumatisierte Kinder und Jugendliche mittels EMDR unter intensiver Einbeziehung der Bezugspersonen. Neben anderen traumatherapeutischen Techniken, wie PITT-KID, TRIMB, IRRT und Screentechnik basiert seine Arbeit hauptsächlich auf der Integration von EMDR und den Konzepten der Lösungsfokussierten Kurztherapie von De Shazer. Seit 2004 ist er EMDR-Supervisor für Erwachsene und seit 2005 für Kinder und Jugendliche (EMDRIA). Bereits seit 1995 ist er neben seiner ärztlichen und therapeutischen Tätigkeit auch als Dozent und Trainer aktiv, seit 2001 überwiegend im Kontext der Ausbildung von Traumatherapeut:innen im Rahmen der DeGPT-Curricula.

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